X-Zine (www.x-zine.de), agosto 2003, recensione dell'edizione tedesca de Le ragioni del lupo

Im Namen der Opfer – Capobianchi Angela

Rezension von Monika

(Le ragioni del lupo, Angela Capobianchi, Di Renzo Editore)

„Der Mörder hatte auf dia Frau eingestochen, bis der Körper nur noch eine unförmige blutige Fleischmasse war. Keinen Zentimeter hatte er ausgelassen, abgesehen vom linken Arm, der verdreht über dem Kopf lag und wie durch ein Wunder unversehrt war, und vom Gesicht, das zur Zimmerdecke gewandt war, die Augen wie im Schlaf geschlossen.“
So endet die erfolgreiche, wenn auch nicht unbedingt beliebte Anwältin Carla Fuschi. Zeuge des Gemetzels ist ihr geistig verwirrter alter Onkel, mit dessen Aussage jedoch die Polizei nichts anfangen kann und der bald darauf an den Folgen des Schocks im Krankenhaus stirbt.
Zwei weitere Strafverteidiger werden auf ähnliche Weise grausam ermordet und unter den Anwälten der Stadt an der Adria breitet sich Angst aus. Wer wird das n ächste Opfer sein? Commissario Nappi, erst vor kurzem in diese Stadt versetzt und noch mit dem üblichen Schwierigkeiten kämpfend, sich bei seinen neuen Vorgesetzten und Untergebenen durchzusetzen, kommt mit seinen Ermittlungen kaum voran. Wäre da nicht Bianca Santovito, die Sekretärin der Anwaltskammer, die eine Entdeckung macht und ihn endlich auf die richtige Spur bringt.
Es handelt sich um den ersten Krimi der Autorin, die selber Anwältin ist und sich in diesem Milieu natürlich gut auskennt. Die Handlung braucht einige Zeit, bis sie in Schwung kommt und dem geübten krimileser ist auch schon bald klar, wer für die brutalen verbrechen verantwortlich ist, aber das tut der Spannung keinen Abbruch und am Schluß wartet die Autorin mit einer variante auf, mit der wohl kein Leser rechnet.
Die sympathischen Hauptfiguren sind Commissario Nappi und die Sekretärin Bianca, die selber einmal Jura studieren wollte. sehr schön dargestellt ist, wie die Polizei einschließlich des Commissario die Beobachtungen der Frau anfangs nicht ernst nehmen, da es sich ja „nur um eine Sekretärin“ handelt. Die Dialoge stimmen und die Atmosphäre der winterlichen, düsteren Stadt, in der sich eine erstaunlich hohe Anzahl von Anwälten tummelt, ist gut dargestellt.
Ein gutes Krimidebüt, und vielleicht gibt es ja bald mehr von Angela Capobianchi.